Pfingst-Montags-Trubel, die Sellinwallfahrt feierte 75-jähriges Jubiläum

Pfingst-Montags-Trubel, die Sellinwallfahrt feierte 75-jähriges Jubiläum

Pfingst-Montags-Trubel, die Sellinwallfahrt feierte 75-jähriges Jubiläum

# Bericht

Pfingst-Montags-Trubel, die Sellinwallfahrt feierte 75-jähriges Jubiläum

Genau vor 75 Jahren am Pfingstmontag 1951 versammelten sich viele Heimatvertriebene und einige Einheimische in Sellin. Viele waren gekommen, die Kleine am Hochufer in Sellin gelegene Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. So gab es auf dem Platz vor der Kirche eine riesige Ansammlung von katholischen Christen, was hier im Norden des Bistum Berlins nicht alltäglich war. Über die Geschichte der Wallfahrt nach Sellin hat Dr. Dieter Jennemann aus Baabe in der Einladung zur Wallfahrt am 25.05 ausführlich, lesenswert berichtet.

Die Anregung zur Wallfahrt ging von den Rügener katholischen Geistlichen aus, denn ihre Gemeindemitglieder hatten das Bedürfnis, wie in ihrer Heimat katholisch zu sein. Dort waren Wallfahrten mit ein Ausdruck als Christ in die Öffentlichkeit zu Wirken. 

Katholisch sein und Traditionen pflegen wollten die in Vorpommern gelandeten Heimatvertriebenen natürlich auch. Es galt eine Verbindung zu schaffen zwischen Menschen und ihren in der Heimat gelebten Glaubensformen. Denn in ihrer Unterschiedlichkeit waren sie doch katholisch, sie kamen aus Schlesien und Pommern, aus Ost und Westpreußen sowie einer großen Zahl Sudetendeutscher. Der Berliner Bischof Wilhelm Weskamm unterstützte das Ansinnen einer Wallfahrt, um katholisches Brauchtum in der Diaspora des Nordens zu beheimaten. Es war Bischof Weskamm der vor 75 Jahren mit den katholischen Christen auf der Insel Rügen den ersten Wallfahrts-Gottesdienst in Sellin feierte. 

Bild: Altes Wallfahrtsbild Sellin 1951

Blicken wir einmal kurz zurück in die Kaiserzeit. Die mondänen Kaiserbäder auf der Insel Usedom sind überfüllt und nicht jeder kann es sich leisten seinen Urlaub dort zu verbringen. Auch wohlhabende Katholiken aus der Hauptstadt und dem katholischen Süden in Deutschland suchen nach Entspannung, da sind ihnen die Fischerdörfer auf der Insel Rügen sehr willkommen. Ihre wundervolle Lage mit Wald, Meer und Strand, ein wahres Idyll. Nur die seelsorgliche Betreuung sollte mehr Anregung bekommen. So wurde vom „Katholische Strand-Club“ angeregt, die katholischen Badegäste von Sellin gesellschaftlich zu sammeln. Es wurde der Bau einer kleinen Kapelle vorgeschlagen. 

Unter Maximilian Kaller – damals Pfarrer von Bergen – konnte am 16. Juli 1912 die Kirche dann benediziert werden. Sie wurde in malerischer Umgebung in Nähe der Steilküste als Basilika im Stile des Historismus mit neugotischen und neuromanischen Einflüssen errichtet. Ende der 60er Jahre, in der Hochzeit von Sozialismus und DDR wurde die Wallfahrt wegen Schwierigkeiten mit den Behören, denen der Wallfahrts-Brauch missfiel und die das Ufergebiet In den Nächten zum „Grenzgebiet“, also nicht betretbar erklärten, nach Bergen verlegt.      

(Diese Bergener Wallfahrt wurde zur Marienwallfahrt der katholischen Insulaner und der Katholiken über Vorpommern hinaus. In den 80.iger Jahre waren auch Berliner Jugendgruppen zehn Tage von Berlin bis auf die Insel Rügen nach Bergen in den Schulferien wallfahrtend über einige Jahre hinweg unterwegs. In Berlin „Corpus Christi“ und in Potsdam „Peter und Paul“ ging es los, mit ihren Kaplänen Martin Berger und Bernhard Ollmert, war ich als erwachsene Begleitperson dabei. 20 km wurden im Tagesdurchschnitt bewältigt. Da sind Erinnerungen mit jugendlicher Leichtigkeit, an Übernachtungen in unterschiedlichen Pfarr- und Bauernhäusern, an freundliche Gastgeber, Abendgesang am brennenden Feuer, an Verkäuferinnen in HO oder Konsum die Lebensmittel in den benötigten Mengen für immerhin 30 Personen trotz Rationierung herausgaben. Manchmal auch erst nach dem dritten Anlauf. Gemeinsam manche Strapaze überwindend wird man am Ziel mit einem festlichen Wallfahrts-Gottesdienst belohnt. Erinnerungen nimmt man mit nach Hause, die man nie vergisst. Diese Marienwallfahrt ist über die Jahre eine andre geworden, aber immer noch Bestandteil des katholischen Insellebens. Auch 2026 waren Katholiken zur Marienwallfahrt im Mai aus vielen Gemeinden Vorpommerns dabei.)    

Zurück zur Selliner Wallfahrt! Einzelne und Gruppen von Gemeindemitgliedern der Inselkatholiken hielten jedoch auch zu DDR-Zeiten an der Wallfahrt fest. Katholische Insulaner sind Anfang der 70.iger Jahren am Pfingstmontag als Wanderer am Hochufer von Binz nach Sellin gepilgert. Privat, ohne bei den Behörden angemeldet zu sein? Man hat sich einfach getroffen und ist losgelaufen und hat in Sellin den Wallfahrts-Gottesdienst mit dem Pfarrer gefeiert und wiederbelebt. 

Die politische Wende kam, die Kapelle in Sellin war Mittlerweile in die Jahre gekommen, so gab es umfangreichen Renovierungsarbeiten an der kleinen Kirche, die im September 1995 abgeschlossen waren, danach lebte die alte Wallfahrtstradition wieder auf. Seit 1996 feiern die katholischen Christen Rügens den Pfingstmontag als ihren Inselwallfahrtstag, an dem zunehmend immer mehr Urlauber und katholische Christen aus ganz Vorpommern teilnehmen. Ihre idyllische Lage im Wald unmittelbar an der Steilküste macht die Kapelle für Trauungen besonders reizvoll, zumal auch die Selliner Seebrücke mit dem Standesamt nur 400 Meter entfernt ist. Seit Pfingsten 2005 erklingt in der Kapelle wieder eine Orgel der Firma Sauer.

Bild: Orgel in Maria Meeresstern Sellin

Bild: Kirche Sellin Heute- Tourismusseelsorge

2018 wurde vom Erzbistum Berlin eine Tourismusseelsorge in Leben gerufen. Organisiert wird diese Seelsorge am Meer von unserer Pfarrei St. Bernard Stralsund-Rügen-Demmin.  Marion von Brechan, ist Referentin für die Tourismuspastoral beim Erzbistum Berlin, sie und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter gestalten die vielfältige Tourismusseelsorge schon seit 2018/19. Erste Priorität sollte sein, dass man wieder mit Gott in Kontakt kommt. 

„Wir möchten alle Menschen ansprechen, egal welche Konfession sie haben, ob sie an Gott glauben oder nicht. Während manche Besucher nichts von Kirche wüssten und viele Fragen hätten, gebe es andere, die froh seien, mal mit jemandem zu reden, der nicht aus der eigenen Gemeinde kommt. „Und dann gibt es diejenigen, die katholisch oder evangelisch, aber frustriert von der Institution Kirche sind“,

(„Hier entdecken sie dann eine andere, neue Facette von Kirche – die sie gut finden.“) Maron v. Brechan

Leider kann Marion von Brechan in diesem Jahr bei der Eröffnung der neuen Saison im Tourismuspastoral nicht dabei sein. Von hier aus an Sie die besten Wünsche. Hier fehlst Du!

Pfingst-Wallfahrt-Sellin und Tourismusseelsorge sind eine Eröffnungs-Symbiose eingegangen. Neben unseren amtierenden Berliner Bischöfen wurden auch andere Würdenträger hier begrüßt. Im Jahr 2022 der Kopenhagener Bischof Czeslaw Koson, im Jahr darauf war es der Nuntius Dr. Nicola Eterovic. 

(Hat nicht auch der „Liebe Gott“ seine Hände im Spiel, die Witterungsbedingungen in den letzten Wintern, besonders in 2024/2025, waren katastrophal. Es gab am Hochufer bei unserer Kirche in Sellin erhebliche Geländeabbrüche. Es musste ein Teil des Küstenwanderweges gesperrt werden. Dieser Wanderweg führt deshalb nicht mehr an der Kirche vorbei, sondern um diese herum. Alle Wanderer kommen also gezwungenermaßen an unserer Wallfahrtskirche vorbei. Sie steht in der Saison allen offen. Irgendwie Fügung, oder! Uferabbrüche, die ein betreten unserer Kirche unmöglich machen, wird unsere Generation hoffe ich nicht erleben, es wird Möglichkeiten geben dies einzuschränken und konkret wirksam den Abbruchgewalten Einhalt zu gebieten, auch „Mit Gottes Hilfe“!)

Mit der alljährlichen Wallfahrt nach Sellin und dem Gottesdienst vor Ort, beginnt auch die Tourismusseelsorge ihre Arbeit.

Heute am 25. 05.2026 mit unserem Erzbischof Heiner Koch aus Berlin sind viele Gläubige aus ganz Vorpommern, zum Jubiläums Pfingst-Montags-Wallfahrts-Gottesdienst dabei. Einige Wallfahrer fast ein Dutzend hatten sich auf den Wallfahrtsweg begeben. Genau waren es 11 Personen, einer, um die Apostelzahl 12 zu erreichen hat gefehlt. Die Wallfahrts- Wanderung hatte Stationen mit Gebet, Fürbitten und Gesang, war sie doch gut vorbereitet von Gemeindemitglied Cornelia Diener. Dieser Wallfahrtsweg führt traditionell von Meeresstern zu Meeresstern! Also von der Kirche „Stella Maris „in Binz, entlang des Hochuferweges zur Kirche „Maria Meeresstern“ in Sellin. Unter den Wallfahrern war diesmal auch Pfarrer Andree Schmeier er ist Domherr der Erzdiözese Ermland in Allenstein (Olsztyn).

Seine Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes:    Zum Schicksal und der Haltung vieler Vertriebener, die hier auf der Insel Rügen versucht haben, eine neue Heimat zu finden. Sinnbildlich dafür das Kreuz der Familie Duschinski auf dem Altar beim Gottesdienst.

Seine Botschaft an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Wallfahrt, ausdrücklich möchte ich Ihnen an dieser Stelle einmal Dank sagen für die Treue zu Ihrer oder Ihrer Vorfahren Heimat-Tradition und für die Bewahrung des Glaubens, den Sie dort empfangen und hier weitergegeben haben.

Danke auch dem Diener Gottes Maximilian Kaller, dessen im Jahre 2003 eröffneter Seligsprechungsprozess kurz vor der Fertigstellung der Positio steht, möge er uns bei Gott stets ein hilfreicher Fürsprecher sein.

In den Worten seiner Predigt hielt Erzbischof Koch drei Aussagen Fest:

In der ersten Predigt Aussage sagte er: „Gott war und ist immer schon dagewesen“! So unterstützt der Heilige Geist als Kraft, dies auch für uns wahrnehmbar. Eben auch in schwierigen Situationen wie Flucht, damals und heute.

Die zweite Aussage ist das Bleiben und Aushalten, wie Maria unter dem Kreuz Jesu.

In der dritten geht es darum Gemeinschaft zu schaffen, damit unser Glaube auch dunkle Zeiten bestehen kann, wie auch heute.

Bild: Wallfahrt mit Erzbischof Koch 2026  

Nach dem Gottesdienst wurde die Saison zum Tourismuspastoral für 2026 von Diakon Rui Wigand aus Berlin freigegeben. Mit Sekt, Kaffee und reichlich Kuchen waren Ehrenamtliche des Tourismuspastoral bemüht für alle da zu sein. Danke an alle Kuchenbäcker und Bäckerinnen, den weiteren Organisatoren. Dazu gehören: das Ehepaar Jennemann, Frau Klatte, die Familie Diener, Frau Petters, am Büchertisch Frau Lorenz und Helferin, die Vermittler von Radio Horeb mit ihrem Stand, Herr Hansen, das Ehepaar Jungen, alle Ministranten, die, die Fahrdienste leisteten. Im Verlauf des musikalisch, festlich umrahmten Gottesdienstes, dann ein extra Dankeschön den Musikern mit viel Applaus.

Mögen auch kommende Generationen eine Aufgabe darin sehen an dieser Wallfahrts-Tradition festzuhalten. Gott ist da, der Heilige Geist ein Begleiter!

Roland Steinfurth

Pfarrei St. Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin

Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit Stralsund

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