Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 51

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 51

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 51

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 51

Pfarrhaushälterin - eine Lebensaufgabe 

Bereits am 22. März 1907 meldet sich die zukünftige Verbandszeitschrift “Haus und Herd.  Organ für katholische Dienstmädchenvereine” mit ihrer Urausgabe zu Wort - Erscheinungsweise zweimal monatlich. Zehn Jahre später hatten sich dem Verband bereits 107 Dienstmädchenvereine (Pfarrhaushälterinnen) angeschlossen.

1914- Erste Ausbildungsbestrebungen

Der Verband arbeitet intensiv zur Einführung einer systematischen Lehrausbildung mit Abschlussprüfung und der Erwirkung einer landesweiten Gültigkeit über Gespräche mit politisch Verantwortlichen. Es wurde versucht, die Ausbildung zu ordnen und zu vereinheitlichen.

1919 – 1945    Schwere Jahre

Während dieser Jahre war das berufs- und sozialpolitische Wirken des Verbandes insgesamt recht niedrig. Besonders die Inflationsjahre 1921 – 23 waren schwierig. Neben vielen Erschütterungen bringt das Ende des ersten Weltkriegs aber eine wichtige positive Änderung: das Hausangestelltengesetz wird vorbereitet.

1945 - Hausgehilfinnen

Die Hausgehilfin soll “nicht mehr betreutes Objekt, sondern vielmehr handelndes Subjekt sein”. Der Verband gibt sich den neuen Namen „Berufsverband der katholischen Hausgehilfinnen in Deutschland“. In der neuen Satzung wird offiziell festgelegt, und es gelingt, die Besoldungsgrundlage für katholische Pfarrhaushälterinnen in abzusichern.

1972 - Neuer Name

Auf dem Delegiertentag in Mainz kommt es zur kritischen Überprüfung der im Verbandsnamen verankerten Bezeichnung „Hausgehilfinnen“. Dank des Einsatzes für verbesserte Berufsausbildung ist in der Hauswirtschaft eine Vielzahl qualifizierter Berufsbilder entstanden. Die Umbenennung in “Berufsverband Katholischer Arbeitnehmerinnen in der Hauswirtschaft in Deutschland e. V.”, kurz bkh, bringt das veränderte Verständnis seiner Mitglieder zum Ausdruck, dass die Verbandsleitung künftig in den Händen der organisierten Frauen liegt.

Im Priesterhaushalt war früher in der Regel die Pfarrhaushälterin (auch: Pfarrfrau, Pfarrhausfrau) tätig, oft eine weibliche Verwandte des Priesters. Die Zahl der Priester hat abgenommen und viele Priester verzichten auf die ständige Dienstleistung und organisieren ihren Haushalt anders. Die Zahl der Pfarrhaushälterinnen wird in Deutschland heute auf etwa 800 Frauen in Vollzeitanstellung geschätzt, gegenüber etwa 8000 in den 1970er-Jahren. Sie sind im Bundesverband der Pfarrhaushälterinnen Deutschland organisiert. Die Haushälterin ist Angestellte des Priesters in Vollzeit- oder Teilzeitanstellung, kann aber neben der Haushaltsführung im Pfarrhaus weitere Aufgaben in der Pfarrgemeinde übernehmen, abhängig vom Einsatzbereich des Priesters als Pfarrer, Religionslehrer oder Geistlicher im Verwaltungsdienst. Sie kann im Pfarrhaus oder außerhalb wohnen.

Die Würzburger Synode definierte ihre Tätigkeit als „kirchlichen Dienst“, durch den der Priester „freier für seine pastoralen Aufgaben“ werde.  Als Voraussetzungen für die Tätigkeit der Pfarrhaushälterin nennt der Berufsverband eine gute Allgemeinbildung, abgeschlossene Berufsausbildung, fundierte hauswirtschaftliche Kenntnisse, hohe Sozialkompetenz, Selbstbewusstsein und Diskretion, Akzeptanz der priesterlichen Lebensweise und eine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche.

Pfarrhaushälterinnen in Stralsund

Wie unsere ersten Pfarrer haushaltlich zurechtkamen, ist nicht bekannt, wahrscheinlich in strikter Eigenregie und Unterstützung aus der Gemeinde. Sicher wird es später wie damals üblich Familienangehörige der Pfarrer gegeben haben, die diese im Pfarrhaushalt bei sich anstellten. Inwieweit Pfarrhaushälterinnen in der Gemeinde bei entsprechenden Pfarrern anstellig waren, ist nicht bekannt. In diesen Zeiten hatten Pfarrer zumeist weibliche Familienangehörige für diese Aufgaben angestellt, also Mutter, Schwester, Tante oder Cousine, auch mal die Schwägerin. In unserer Gemeinde war soweit bekannt die Schwägerin von Pfarrer Friedrich Radek mit den Aufgaben einer Pfarrhaushälterin betraut. Sie begleitete ihn sogar bei seiner schwierigen Mission nach Rügen – bei der kampflosen Übergabe der deutschen Wehrmachtsteile an die russischen Kampfeinheiten. Später nach Kriegsende gab es eine Kombination in der Anstellung von Pfarrhaus und Büro. Hier war aus der Gemeinde Fräulein Monika Scholz (Frau Monika Luschtinez) über Jahre tätig.

1971 mit Pfarrer Wolfram Lewicki wurde Fräulein Horstmann (Frau Agatha Horstmann) in der Aufgabe als Pfarrhaushälterin und darüber hinaus tätig.

Als 1995 Monsignore Janiszewski in Stralsund Pfarrer wurde, hat er Frau Helena Bluhm mit der Aufgabe als Pfarrhaushälterin im Pfarrhaus betraut. Neben ihrer Familie mit 5 Kindern hat sie dies auch in bester Weise gemeistert.

Auch Pfarrer Andreas Sommer hat anfänglich ihre Unterstützung im Haushalt genutzt, bis sie sich in den Ruhestand zurückzog und einige ihrer Aufgaben ihrer Tochter Petra Meinke übertrug. Bis zu ihrem Ruhestand war dann Frau Petra Meinke gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerd in unserer Gemeinde in unterschiedlichsten Diensten tätig.

Pfarrhaushalt, Hausmeister und Küsterdienste sowie Reinigungsdienst, alles musste bewältigt werden.

Ein Blick ins Pfarrbüro

Der Dienst im Pfarramtssekretariat ist vielseitig und anspruchsvoll. Er erfordert gute fachliche Kenntnisse im Bürobereich, die in vergleichbaren Berufen erworben wurden. Darüber hinaus wird ein reges Interesse am Leben der Kirchengemeinde und eine persönliche Nähe zur katholischen Kirche vorausgesetzt.

Wichtige Eigenschaften einer Pfarrsekretärin, eines Pfarrsekretärs sind Freundlichkeit im Umgang mit Menschen, Kooperationsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Diskretion.

Ein Aufgabenkatalog:

Erstkontakte und persönliche Gespräche mit Besuchern im Gemeindebüro

Erteilung von Auskünften, Entgegennahme und Weiterleitung von Informationen

Organisation im Pfarrbüro: Telefondienst, Führung des Terminkalenders

Terminabsprachen und Weiterleitung von Terminen

Einkauf von Bürobedarf, Abwicklung von Bestellungen

Allgemeiner Schriftverkehr im Rahmen der Pfarramtsverwaltung, selbstständig oder nach Vorgabe

Entgegennahme von Anmeldungen für Taufen, Trauungen und Beerdigungen

Führung der pfarramtlichen Bücher

Registratur: Ablage nach Aktenplan

Mitarbeit bei der Erstellung von Gemeindebriefen

Erstellung der regelmäßigen Gottesdienstordnung

Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Kirchenvorstand, Kirchenverwaltung, Ehrenamtlichen und Gruppen der Kirchengemeinde

Terminabsprache und Vergabe von Gemeinderäumen

Mitarbeit bei der Organisation von Veranstaltungen und Aktionen

Abwicklung der Buchhaltung und Rechnungsführung sowie der Jahresrechnung, Führung der Personalakten, der Urlaubs- und Krankheitskartei

Alle in Stralsund tätigen Seelsorgehelferinnen und Pfarrhaushälterinnen, Religionslehrerinnen, Katechetinnen nahmen kleine zusätzliche Dienste auch im Pfarrbüro wahr, um den gerade amtierenden Pfarrer zu entlasten. Mit Pfarrer Wolfram Lewicki wurde Frau Renate Larisch fest für das Pfarrbüro angestellt. Mit Pfarrer Janiszewski wechselte auch die Pfarrsekretärin. Die Stelle übernahm Frau Annemarie Heidmann. Sie blieb auch unter Pfarrer Andreas Sommer bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand im Pfarrbüro tätig.

Abschied Frau Heidmann

Kurzzeitig machte Frau Roswita Langner dann Dienst im Pfarrbüro, bis sie von der jetzt diensttuenden Pfarrsekretärin Claudia Müller abgelöst wurde. Die Aufgaben im Pfarrbüro sind nicht weniger geworden, zumal Frau Müller diesen Dienst an zwei Standorten ausführt - bei uns in Stralsund und zum anderen auch in St. Bonifatius in Bergen auf Rügen.

Das Tätigkeitsfeld der Küsterinnen und Küstervon ehemals fest angestellten zum ehrenamtlichen Dienst in unserer Gemeinde

Der Küster oder die Küsterin sorgt durch seinen oder ihren Dienst für die äußeren Voraussetzungen des gottesdienstlichen Lebens im Alltag einer Kirchengemeinde. Obwohl ein Großteil der Aufgaben technischen oder organisatorischen Charakter besitzt, kann die Tätigkeit nicht von den geistlichen Bezügen christlichen Lebens getrennt werden. Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich eine Tätigkeitsbeschreibung, die ein praktisches und technisches Übergewicht hat, aber ohne das Wissen um die geistlichen und kultischen Bezüge nicht sinnvoll ausgeübt werden kann.  Durch ihre Präsenz in den Gebäuden und Anlagen der Kirchengemeinde sind Küster Ansprechpartner für Besucher, Gäste und Gemeindeglieder. Sie geben Auskunft, übermitteln Informationen oder stimmen organisatorische Angelegenheiten ab. Sie beantworten Fragen, erledigen Anliegen und stehen vermittelnd und informierend zwischen Gemeindegliedern und Gemeindeleitung.

Sie tragen durch ihren Dienst dazu bei, dass sich die Gemeinde als Familie Gottes mit Freude zu ihren Gottesdiensten, Veranstaltungen und Festen versammeln kann.

Breites Aufgabenspektrum

Folgendes Aufgabenspektrum umschreibt das Berufsbild eines Küsters, einer Küsterin: Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung der Gottesdienste und Amtshandlungen, Vorbereitung, Begleitung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen der Kirchengemeinde, Einweisung, Einteilung und Beaufsichtigung von Hilfskräften und Handwerkern, Bedienung, Überwachung und Pflege der ihnen anvertrauten Gebäude, Anlagen und Gegenstände, Sorge für angemessene Beseitigung von Störungen und geeignete Hilfe in Notfällen, Beachtung der Unfall- und Feuerverhütungsvorschriften. Die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und deren Umsetzung in der Kirchengemeinde bildet ebenfalls eine große Verantwortung im Küsterdienst.

Die hier beschriebenen Dienste sind nur unter einer Festeinstellung als Küster oder Küsterin zu realisieren. Heute in fast allen Gemeinden müssen wir auf Ehrenamtliche zurückgreifen. So kann so ein Dienst auch nur eingeschränkt erfolgen.

Ein Dankeschön denen, die dies in aufopfernder Weise in unserer Gemeinde Sonntag für Sonntag tun.

DANKE SCHÖN

Soweit bekannt hatten die Pfarrer bei uns in Hl. Dreifaltigkeit einen Küster angestellt, unter Pfarrer Radek z.B. einen Herrn Wagner. Gab es hier Leerlauf und war niemand für diesen Dienst zu finden, haben aus den Reihen der Ordensschwestern in St. Josef einige auch diesen Dienst ausgeübt. Es gibt noch Erinnerungen aus der Ministrantenzeit, an die Schwestern Wiborada und Adeltrudis, die in der Sakristei resolut regierten. Auch Kapläne waren mit Teilaufgaben betraut. Zumal der Kaplan, der in St. Josef sein zu Hause hatte, die dortigen Gottesdienste selbst vorbereitete.

Unter Pfarrer Georg Ketz war für diesen Dienst Herbert Fenske zuständig, den seine Frau Christiana in bester Weise unterstützte und dann auch ab 1967 im Pfarrhaushalt tätig war.

Für die Fenskes begann alles 1948 auf Rügen in Grahlehof, dort hatte Frau Fenske, die mit ihrer Familie aus Schlesien vertrieben worden war, ihrem Vater den Haushalt geführt und lernte dort ihren Mann kennen, der von 1942 – 1945 Soldat im Krieg und danach drei Jahre in russischer Gefangenschaft im Süd-Ural war. 1949 wurde geheiratet. Herbert Fenske war bis 1963 als Viehkastrator auf Rügen tätig. Auf Bitten von Pfarrer Kuhn ging er ab 1963 als Küster nach Stralsund in die Dienste von Pfarrer Georg Ketz. Immens viel hatte Herbert Fenske während des Kirchenumbaus von 1965-1967 zu tun. In dieser Zeit war oft organisatorisches Talent von Nöten, denn zum Beispiel Baumaterialien waren damals nicht einfach auf dem Baumarkt zu ordern. Viele lange Jahre war dies so. Das Markenzeichen von Herbert Fenske war ein riesiges Schlüsselbund, im Pfarrhaus gab es keine Tür, über die er nicht Schlüsselgewalt hatte. Seine Frau Christiana half im Pfarrhaus mit, sie erledigte die Kirchenwäsche, reinigte das Kirchenhaus und die Pfarrräume. Solange die Kapläne noch im Pfarrhaus wohnten, wurden sie von Frau Fenske regelrecht bemuttert - sie wusch die Wäsche, putzte und heizte die Wohnungen. Fernheizung, Gas oder Elektroheizkörper waren nicht vorhanden. 1971  kam Pfarrer Wolfram Lewicki. Bis 1987 hat Familie Fenske als Küsterehepaar in unserer Gemeinde gearbeitet. Dazu gehörte auch die schwere Arbeit als Totengräber. Tagein – tagaus, wochentags und feiertags haben die beiden ihren Dienst versehen. Noch bis 1995 dann unter Pfarrer Reinhold Janiszewski waren Lektorendienste für Herbert Fenske angesagt.

Bild: Christiana und Herbert Fenske

Das Jahr 1987 beginnt für Pfarrer Lewicki mit der Suche nach einem Ehepaar, die Küsterdienst und Pfarrhaus übernehmen könnten. Er findet sie im Ehepaar Petra und Gerd Meinke.   

Bis zu seinem frühen Tod hat Gerd Meinke den Küsterdienst, verbunden mit vielfältiger hausmeisterlicher Tätigkeit in unserer Gemeinde ausgeführt. Seine Frau Petra hat ihn dabei nach besten Kräften unterstützt.

Überarbeitet von Roland Steinfurth

Korrektur Wolfgang Vogt

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

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