Einfach Mensch sein

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# Bericht

Einfach Mensch sein

An diesem Wochenende feiert die pastorale Berufsgruppe der Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten im Erzbistum Berlin ihr 100jähriges Jubiläum. Am Samstagnachmittag fand der Festakt in der katholischen Akademie in Berlin Mitte mit geladenen Gästen statt. Ein von den Gemeindereferentinnen selbst geschriebenes und inszeniertes Theaterstück zeichnete die bewegte Geschichte des Berufsverbandes in der wechselvollen Geschichte des Erzbistums als Zeitreise nach. Der Abend klang mit kulinarischen Köstlichkeiten, heiterer Unterhaltung und geselligem Beisammensein aus. Erzbischof Koch feiert dann am Sonntagvormittag die Hl. Messe in der Hedwigskathedrale zum Dank des 100jährigen Bestehens.

Leider kann ich aufgrund meiner Verpflichtung in der Pfarrei nicht am Gottesdienst am Sonntag teilnehmen, hatte aber die Ehre, von unserer Gemeindereferentin Ingrid Uhlemann zum Festakt in der katholischen Akademie eingeladen worden zu sein. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, als einer der wenigen Priester bei diesem für das ganze Erzbistum bedeutsamen Fest dabei gewesen zu sein. An dieser Stelle danke ich ihr herzlich für ihren pastoralen Einsatz in unserer Pfarrei. Aus funktionaler Sicht ist jeder Mensch ersetzbar, ob Pfarrer oder Gemeindereferentin. Als Menschen sind und bleiben wir aber unersetzbar. Und somit ist auch der ganz konkrete Dienst der Gemeindereferentinnen unersetzbar, vor allem, weil es ein Dienst an und für den Menschen ist. Herzlichen Dank. Es ist schön, dass es euch gibt.

In dem Theaterstück hat mich eine Szene besonders berührt. Eine Seelsorgshelferin, wie die Gemeindehelferinnen dann genannt wurden, hat während des zweiten Weltkriegs gebetsähnlich einen Wunsch zum Ausdruck gebracht. Sie hat sich für die Leidenden und Entrechteten eingesetzt und regelrecht gefleht: „Reicht es nicht, einfach nur Mensch zu sein?“ Für mich klang hier ein Wesenszug unseres gemeinsamen pastoralen Auftrags durch: Mensch sein. Ich glaube, das Christsein, das jedem pastoralen Dienst zugrunde liegt, ist ein einzigartiger Weg, immer mehr Mensch zu sein oder zu werden. Es ist wohl kein Zufall, dass das Christentum mit der Menschwerdung beginnt. Als Christen, oder eher als Menschen, die immer mehr christwerden, sind wir berufen, die Menschenfreundlichkeit Gottes spürbar werden zu lassen. Menschen auf ihrem Weg in besonderer Weise zu begleiten, Menschen und Christen zu werden, ist dann eine großartige Möglichkeit des Zeugnisses.

Ich freue mich, mit Ingrid und allen pastoralen Mitarbeitenden, den Menschen immer mehr Mensch werden zu dürfen. In der je eigenen Berufung sind wir so Mitarbeiter des Herrn, der der erste Christ ist. Die Sorge des Pfarrers, man würde ihm vielleicht etwas aus seinem sakramentalen Bereich streitig machen, von der eine Gemeindereferentin im Theaterstück im Zuge der Entstehung des Berufsverbandes der Gemeindereferentinnen berichtet hat, verstehe ich als Versuchung, die ich auch kenne. Es erinnert mich an ein Wort Jesu: „Der Sklave ist nicht größer als sein Herr“ (Joh 13,16), und des Apostels Paulus (1Kor 4,7): „Was hast du, das du nicht empfangen hast?“ Wenn ich meine Ehre suche und/oder alles von mir abhängig mache, dann vergesse ich, das alles Tun und Vollbringen, ja sogar das Wollen, allein vom Herrn kommt und ihm zur Ehre gereichen soll. Ich glaube, in diesem Bewusstsein, werden immer mehr Menschen zu Christen werden, weil sie Christen begegnen, die Menschen sind. Und In diesem Sinne wünsche ich uns noch viele 100 Jahre gemeinsamen Einsatz unter den Menschen in unserer Pfarrei und im ganzen Erzbistum Berlin.

Pfarrer Johannes Schaan 

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